Und wieder ist ein Wochenende vorbei! Wahnsinn wie hier die Zeit verrennt!
Doch erst noch einmal kurz zu letzter Woche :
Am Dienstagabend ging es für mich und Rieke wieder einmal ins Kino. Doch diesesmal schauten wir uns keinen Film an, denn Robbie Williams vorletztes Konzert seiner Stadiontournee wurde europaweit live im Kino übertragen. Das durften wir natürlich auf keinen Fall verpassen, nachdem das Konzert vor knapp 2 Monaten so grandios war.
Das Kino war wirklich voll, was ich nicht erwartet hätte. Und selbst im Kinosaal sangen die Leute mit und klatschten. Robbie hat’s halt einfach drauf.J Und ihn auf so einer großen Leinwand so “nah” zu sehen war auch wirklich super. Obwohl ich sagen muss, dass mir sein Konzert in Wembley besser gefallen hat. Wembley ist halt Wembley und er als Engländer kann sich da ja wie zu Hause fühlen. Jaja.. das war “damals” schon ein Highlight. Würde ich jederzeit wieder machen!
Wenig verwunderlich also, dass ich den Rest der Woche immer noch die Lieder sang und eigentlich immer noch singe.J
Am Donnerstag ging es nach der Arbeit mal wieder essen und in unseren Lieblingspub. Den werde ich auch echt vermissen! Genauso wie das tolle Cider! Aber naja. Immerhin ist der Alkohol in Deutschland wesentlich billiger. :D
Unser Ausflug nach Belfast startete dann am Samstagmorgen. Mit dem Zug ging es nach Birmingham und dann mit dem Flieger in die nordirische Hauptstadt. Zum Glück landeten wir auf dem City Airport, der wirklich sehr sehr nah am Stadtzentrum liegt. Schnell noch ein paar Infohefte bei der Touriinfo eingpackt und los ging es mit dem Bus in die Stadt. Auf dem Weg ins Zentrum kamen wir bereits am Hafen und dem “Titanic Quarter” vorbei, einer der Hauptattraktionen Belfasts. Vom Busbahnhof aus ging es dann weiter zu Fuß zum Hostel. Klein aber fein würd ich da mal sagen. Mit gutem Grund wurde es mehrmals als bestes Hostel weltweit ausgezeichnet. Da hat einfach alles gepasst.
Viel Zeit verloren wir allerdings nicht. Zu Fuß ging es los Richtung Titanic Quarter.. und das dauerte erst einmal eine Weile. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass die nächsten Eintrittszeiten alle ausgebucht waren und erst Tickets für 16:20 Uhr wieder gekauft werden konnten. Da wir bis dahin noch mehr als 2 Stunden Zeit hatten, beschlossen wir ein Kombi-Ticket mit den Titanic Docks und dem Pumpenhaus zu kaufen. Der Weg bis dorthin zog sich echt ziemlich lang hin. Zwischenzeitlich fragten wir uns, wo wir gelandet waren. Aber nach ca. 15 Minuten waren wir endlich da. Zunächst konnte man sich das Pumpenhaus, welches immer noch funktionsfähig ist, anschauen, dass dazu diente das Dock leer zu pumpen. Dort wurde auch ein kleiner Film gezeigt – auf englisch.. und wir haben extreme wenig verstanden. :D Damals in Dublin ist es mir nicht aufgefallen, aber dieses Mal war es echt extrem! Der irische Akzent ist richtig schlimm. Da ist mir ja noch Schottisch lieber! Nach der kleinen Runde im Pumpenhaus ging es dann zum Außgelände, genauer gesagt zum Trockendock. Genau dort, vor 102 Jahren wurde das damals größte Schiff der Welt gebaut.Und es war wirklich ziemlich riesig. Das tolle an der ganzen Sache war, dass wir auch ins Dock hinunter steigen konnten – knapp 14 Meter hinunter. Da kam man sich schon ein bisschen wie eine Ameise vor.
Anschließend führte uns unser Weg zurück zur Titanic Experience, also dem Museum, was übrigens von außen ziemlich furchtbar aussieht. Man kann zwar verstehen was der Architekt damit bezwecken wollte, aber mir ist es dennoch viel zu modern.
Bevor unsere Tour los ging, gab es noch lecker Kaffee und Kuchen. Stärkung muss sein!
| City Hall |
| Titanic Experience / Museum |
| Pumpenhaus |
| Trockendock |
Obwohl jeder Besucher eine bestimme Zeit zugewiesen bekam, war es in den ersten Räumen wahnsinnig voll. Zudem gab es viele kleine schreiende Kinder, die einem dann noch um die Beine liefen. Da sind sie ja bei mir an der richtigen Adresse. Ich weiß beim besten Willen nicht, was fünfjährige in so einer Ausstellung verloren haben. Aber nun gut. Dementsprechend schnell gingen wir durch die ersten Räume die sich vor allem mit der Entstehung und der Werft befassten. Anschließend gab es eine kleine Fahrt, durch die der Eindruck entstand als würde man selbst am Rumpf des Schiffes herumklopfen und werken. Zumindest die Geräuschkulisse war super gemacht, auch wenn die Fahrt an sich sehr kurz war und das lange Anstehen nicht wirklich wert. Das gute daran war, dass es sich was die Anzahl der Besucher betraf etwas besserte und man nun in Ruhe die Tafeln lesen konnte. Es wurden der Stapellauf, Passagierschicksale, die ersten Stationen bevor es dann Richtung Amerika ging, natürlich der Untergang und die Nachforschung in der heutigen Zeit thematisiert. Es waren z.B. die verschiedene Kabinentypen nachgebaut und es gab ein virtuellen Rundgang, wenn man es so nennen möchte. Insgesamt haben sie wirklich viel Aufwand und Mühe in das Museum gesteckt und wo würde es auch anders hinpassen, als nach Belfast. Es war wirklich sehr interessant!
Unser Rundgang dauerte auch ziemlich lange und nachdem wir noch ein paar Souvenirs gekauft hatten mussten wir leider feststellen, dass es regnete als wir fertig waren. Seit langer Zeit mal wieder richtig regen. Zudem war es so hoch im Norden noch um einiges kühler als in Cheltenham. Zum Glück hörte der Regen bald auf, doch leider hatten schon alle Geschäfte geschlossen. Wirklich ein kleiner Nachteil, aber wenn man bedenkt, dass alles am Sonntag und Feiertag aufhat, dann gleicht sich das irgendwie wieder aus.
Es blieb uns als nichts andere übrig als dann “schon” essen zu gehen. Wir entschieden uns für ein amerikanisches Diner, was auch wirklich super war. :D
Für den nächsten Tag hatten wir viel geplant. Ausschlafen – Fehlanzeige. Pünktlich um 8 gab es Frühstück und dann wurden wir von einem typischen schwarzen Londoner Taxi abgeholt. Die sogenannten Black Cap Tours sind wirklich eines der Markenzeichen Irlands. Die meißten sind politische Touren, d. h. man fährt in den Westen Belfast und sieht sowohl die protestantische als auch die katholische Seite. Ich weiß nicht ob ich damals in der Schule nicht aufgepasst habe, es vergessen habe oder wir einfach nicht darüber gesprochen haben, aber die Zustände da sind teilweise wirklich krass.
Unser Taxifahrer war zum Glück besser zu verstehen als der nette Herr vom Video am Vortag, auch wenn er wirklich einen starken Akzent hatte. Wir fuhren zunächst auf die protestantische Seite. Klar von der katholischen zu unterscheiden, da an jedem Haus britische Flaggen und teilweise die englische Flagge wehen. Protestanten werden demnach auch Loyalisten genannt, da sie zum Vereinten Königreich gehören möchten. Beide seiten sind durch eine riesige, 5 Kilometer lange Mauer voneinander getrennt. Nur eine von vielen in Belfast. Die Tore werden jeden Tag bei Anbruch der Dunkelheit geschlossen um das Schlimmste zu verhindern, da oft Kinder an den Toren stehen, sich gegenseitig beschimpfen und mit Steinen bewerfen. Auf der anderen Seite wohnen die Katholiken oder auch Republikaner, die demnach nicht zum Vereinten Königreich gehören wollen. Beide Gruppen hassen sich abgrundtief und bleiben nur auf ihrer Seite, wo sie sich sicher fühlen können. Sie sind froh diese Mauer zu haben! Unser Fahrer meinte auch, dass mehr als 90% der Belfaster Bevölkerung einer dieser beiden Gruppen angehören. Die Kinder werden entsprechend erzogen und es gibt sogar getrennte Schulen. Unser Fahrer meinte auch, dass auch wenn man nicht immer in den Nachrichten davon hört es dennoch standing zu Auseinandersetzungen kommt.
Hinterher war mir auch klar, warum die Polizei mit Spezialfahrzeugen herumfährt, bei denen sogar die Sirenen umgittert sind.
| Häuser auf der protestantischen Seite |
| Rieke, Anna und ich vor der Mauer |
| bemaltes Haus auf der katholischen Seite |
Unser Geschichtstag war jedoch noch nicht zu Ende, da wir uns beim alten Crumlin Road Gaol, einem ehemaligen Gefängnis absetzen ließen. Es wurde 1846 in Betrieb genommen und erst 1996 geschlossen. Seit kurzem ist es für Besucher geöffnet und man kann es sich mittels einer Führung anschauen. Die Führung war sehr interessant und informativ! Wir sahen die Räume in die die Häftlinge gleich nach der Ankunft gebracht wurden, den Tunnel der unter der Straße zum mittlerweile verfallenen Gerichtsgebäude führte und natürlich das Gefängnis selbst. Es gab 4 verschiedene Flügel. In viktorianischen Zeiten waren zwei davon extra für Frauen und Kinder. Später wurde es ein reines Männergefängnis in dem natürlich Protestanten und Katholiken getrennt untergebracht waren.
Ja.. und in diesem Gefängnis wurden insgesamt 17 Menschen exekutiert.Der letzte 1961. Ich glaub wir schauten alle etwas nun ja.. überrascht als wir in der Zelle standen, in der die zu Tode verurteilten ihre letzte Nacht verbrachten und dann einfach ein Schrank zur Seite geschoben wurde und im Raum dahinter immer noch der Strick mit Schlaufe von der Decke baumelte. Da kommt Stimmung auf. :D Unser Gefängnisführer erzählte uns außerdem wie genau das ganze Prozedere ablief, aber das erspare ich euch jetzt.
Anschließend konnten wir uns noch den Gefängnishof anschauen.
| Crumlin Road Gaol |
| Gerichtsgebäude |
Wir waren nach so viel Geschichte und teilweise bedrückenden Informationen froh, wieder im Stadtzentrum angekommen zu sein. Nächste Station war der St. George’s Market. Dort gab es ziemlich viel zu essen, die Entscheidung viel gar nicht allzu leicht, vor allem weil es wahnsinnig viele Stände gab die Cupcakes und Kuchen verkauften. Das sah alles wahnsinnig gut aus!! :D
Im Anschluss gab es noch eine kleine Schoppingrunde in der Innenstadt und am Abend ging es zum Italiener bei uns um die Ecke.
| Albert Clock |
| St. George Market |
Für den nächsten Tag war gar nicht mehr allzu viel geplant. Wir statteten dem botanischen Garten und der Campus einen Besuch ab, bevor es auch schon zurück zum Flughafen ging.
| im botanischen Garten |
Insgesamt wirklich ein schönes Wochenende, auch wenn ich jetzt doch mit anderen Augen auf Belfast blicke.
Diese Woche geht es ja zum Glück nur 4 Tage auf Arbeit, genauso wie nächste Woche. Da kommt dann nämlich schon Joana auf die Insel und ich werde ein letztes Mal nach London fahren! Ich weiß jetzt schon, dass ich diese Stadt furchtbar vermissen werde! Eigentlich genauso wie ganz England.
Aber noch bleiben mir knapp 3 Wochen!
Bis dahin
Carmen
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